Nilius Pfunda ist der Besetzungschef des Ensembles. In das spezifische Anforderungsprofil an die Musiker fällt, dass die im Übezimmer verbrachte Zeit zur in der Kantine in keinem größeren Verhältnis als 2:1 stehen darf. Der tägliche Kaffeekonsum sollte eine Menge von 972ml (4 Tassen) nicht unterschreiten und das Hochschulfoyer muss am Tag mindestens sechsmal durchquert werden. Herr Pfunda zwingt uns in einer für Kammermusik eigentlich vollkommen untauglichen Besetzung zusammenzuspielen. Streicher müssen laut und tief spielen, Blechbläser leise und hoch, singen muss man und Oboe ist auch noch dabei. Von den Gagen sehen wir nie etwas, aber manchmal dürfen wir die Mark für den Einkaufswagen behalten. 
Unter diesen Umständen geht es uns ganz gut.

Machen wir noch mal 2 vor C?

 Es folgen alle mehr oder weniger relevanten Hinter- und 

Vordergrundinformationen zu den Musikern des Ensembles.

Mile Suchlich

Wer sich fragt, wer sich den ganzen Quatsch wirklich ausgedacht hat, warum so eine komische Instrumentenkonstellation auf einmal vor Publikum zusammenspielen darf und warum es dafür auch noch Literatur gibt...
Ich habe zum Zeitpunkt, in dem dieser Text entsteht, 7 graue Haare, 14% Akku, nur noch eine halbe Flasche Scotch und keinen Ansatz. Alles was ich wollte, war auch mal schöne Melodien zu spielen, nicht nur Grundton und Schnätteretäng. Wenn ich gewusst hätte, was das für Ausmaße annimmt, hätte ich den Menschen in meinem Umfeld einiges erspart. Nun müssen sie es aushalten. Danke dafür.

Jahrgang 1997 / Studentin von Prof. Matthias Höfs / Stipendiatin der Studienstiftung des deutschen Volkes 

Stefania Secci

Stefania Secci überschreitet mit ihrem Instrument bei Weitem die zum normalen Leben tauglichen Koffermaße und erschwert damit stark den Transport. Dieses Manko schlägt sie aber wieder heraus, indem sie die Erwartungen an die spielerische Geschwindigkeit eines handelsüblichen Bassisten weit übertrifft. Ihre Heimatstadt ist das schöne Kons(ch)tanz und so stellt sie als Quasi-Schweizerin zudem die europäische Erweiterung des Ensembles dar. Sie verdient von allen das meiste Geld, da sie ihre Basshülle zu an den Hamburger Wohnungsmarkt angepassten Preisen an die anderen Musiker zum Schlafen vermietet. 

Jahrgang 1997 / Studentin von Prof. Dominik Greger / Alumna der Franz-Wirth-Gedächtnis Stiftung

Joseph Rauch

Joseph Rauch ist in erster Linie aufgrund kulinarischer Qualitäten Mitglied des Ensembles. Zum Einen ist er für die Versorgung der anderen Musiker mit Backwaren und Käsespätzle zuständig. Zum Anderen sorgt er dafür, dass auf dem Fenstersims des Stimmzimmers immer ein Kasten kaltes bayrisches Bier steht. 
Auf der Bühne ist Joseph vor allem für Musik von Komponisten zuständig, die noch nicht tot sind. Das hat den einfachen Grund, dass er der Einzige ist, der keine Angst vor dem Groll eben jener hat. Beziehungsweise steht auch die These, dass er als Hornist einfach nicht viel zu verlieren hat.

Jahrgang 1994 (aber spät!) / Student von Prof. Szabolcs Zempléni /   Hornist der Philharmonie Südwestfalen

Judith Gerhardt

Niemand (also wirklich niemand) weiß, warum eine Oboe mitmachen darf. Schon allein das Instrument ist Bläsern (Warum nehmen die das Mundstück in den Mund?) wie auch Streichern (Warum haben die so viel Blech an dem Holz?) eher suspekt. Hinzu kommt, dass sie durch ihre sehr geringe dynamische Bandbreite für Kammermusik eigentlich höchst ungeeignet sind. Und menschlich… nun ja. 
Judith Gerhardt ist (bislang) die einzige Person des Ensembles, die den Irrweg in das brotlose Musikerleben bis an das Lebensende erkannt und einen ordentlichen Berufsweg eingeschlagen hat. Dies ist nicht nur für sie, sondern auch im Hinblick auf das große Ganze eine weise Entscheidung. 


Jahrgang 1995 / abgeschlossenes (!) Instrumentalpädagogik-Studium  / studiert Stadt- und Regionalplanung an der TU Berlin

Elisabeth Schneider

Da Geigen im Orchester meist verhältnislos viele Töne zu spielen haben, wurde Elisabeth Schneider aus den ersten 15 Minuten des Konzerts herausrationalisiert. Damit ist sie die vermutlich erste Geigerin, die pro Note genauso viel Gage erhält wie die Trompeterin. (Wenn nicht sogar mehr, da die Trompete soviel zu tun hat, dass man meinen könnte, sie müsste etwas kompensieren.) Diese Rechnung wird noch drastischer, wenn man bedenkt, dass ihre Stimme normalerweise von 12 Personen gespielt wird. Gehen wir also von 5 Cent pro Ton aus, wären das bei ca. 2000 Noten (pro Stunde) mal 12 gleich 1200 Euro Gage …hamwer nich. Aus Gründen wurde Elli auf das Standardhonorar heruntergehandelt. Schlechtes Geschäft für sie – weniger Töne für uns.


Jahrgang 1994 / Studentin von Prof. Elisabeth Weber / Akademistin der Kammerakademie Potsdam